Lexikon wichtige Begriffe zur Geschichte der DDR/SED-Aufarbeitung
Wichtige Begriffe, Ereignisse und Personen aus der Geschichte der deutsch-deutschen Grenze und der DDR sind auf dieser Seite thematisch und alphabetisch geordnet.
Ausreiseantrag [ begriffe ]
Antrag, den DDR-Bürger stellen mussten, um die Erlaubnis zur dauerhaften Ausreise in den Westen zu erhalten, häufig verbunden mit massiven Druck, jahrelangen Wartezeiten und Schikanen durch das SED-Regime.Blockparteien [ begriffe ]
Formell eigenständige Parteien in der DDR, die jedoch unter der Führung der SED standen und im sogenannten “Demokratischen Block” integriert waren. Sie dienten zur Schaffung eines Anscheins von politischer Vielfalt, hatten aber keine tatsächliche politische Macht.Brezhnev-Doktrin [ begriffe ]
1968 verkündetes Prinzip der sowjetischen Außenpolitik, das militärische Eingriffe in sozialistischen Staaten legitimierte, um den Sozialismus zu schützen und Abweichungen von der sowjetischen Linie zu verhindern. Sie diente als Rechtfertigung für die Niederschlagung des Prager Frühlings.Freikauf [ begriffe ]
System, bei dem die Bundesrepublik Deutschland politische Gefangene aus der DDR gegen Devisen (Fremdwährungen, die der DDR fehlten) freikaufte. Zwischen 1963 und 1989 ermöglichte dieses System die Freilassung von etwa 34.000 Häftlingen, was der DDR eine bedeutende Einnahmequelle bot.Gedenkstätte [ begriffe ]
Einrichtungen und Initiativen zur Erinnerung an die Opfer des SED-Regimes und zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte.Gedenkstättenarbeit der SED-Diktatur [ begriffe ]
Aktive Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit durch Bildungsarbeit, Forschungsprojekte und Erinnerungsstätten, die das Unrecht der SED-Diktatur dokumentieren und das Gedenken an die Opfer wachhalten.Grenzkreisverbot [ begriffe ]
Maßnahme in der DDR, die es bestimmten Personen, insbesondere politischen Gegnern oder als fluchtverdächtig geltenden Bürgern, verbot, sich in grenznahen Gebieten aufzuhalten, um Fluchtversuche zu verhindern.Kalter Krieg [ begriffe ]
Der Kalte Krieg war ein Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion von 1947 bis 1991. Beide Länder hatten ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie Menschen leben und regiert werden sollten: die USA standen für Demokratie und Kapitalismus, die Sowjetunion für Kommunismus und eine Diktatur. Die beiden Supermächte kämpften nicht direkt gegeneinander, sondern versuchten auf der ganzen Welt, ihren Einfluss auszubauen. Das geschah durch ein Wettrüsten mit Atomwaffen, durch Stellvertreterkriege wie in Korea oder Vietnam und durch Konkurrenz in Wissenschaft und Technik, zum Beispiel bei der Raumfahrt. Der Kalte Krieg bestimmte das Leben vieler Menschen, etwa durch die Teilung Deutschlands und den Bau der Berliner Mauer. Er endete erst 1991 mit dem Zerfall der SowjetunionKonterrevolution [ begriffe ]
In der DDR offizielle Bezeichnung für Aktivitäten und Bewegungen, die sich gegen die sozialistische Staatsordnung richteten. Die SED benutzte den Begriff, um oppositionelle Gruppen, Proteste und Reformbestrebungen zu delegitimieren und zu unterdrückenNVA (Nationale Volksarmee) [ begriffe ]
Die Nationale Volksarmee (NVA) war die Armee der DDR und ein zentrales Machtinstrument der SED-Diktatur. Sie diente der Absicherung der innerdeutschen Grenze, der Durchsetzung staatlicher Kontrolle und der Abschreckung nach außen. Für viele Menschen stand sie sinnbildlich für Repression und Unfreiheit.Planwirtschaft [ begriffe ]
Wirtschaftssystem der DDR, in dem Produktion, Verteilung und Preise zentral vom Staat geplant und kontrolliert wurden. Betriebe hatten keine unternehmerische Freiheit, sondern mussten staatlich festgelegte Ziele erfüllen, was häufig zu Ineffizienz, Mangelwirtschaft und fehlender Innovation führte.Propaganda [ begriffe ]
Gezielte staatliche Steuerung und Verbreitung von Informationen in der DDR, um die sozialistische Ideologie zu fördern, die SED-Herrschaft zu legitimieren und das Volk zu kontrollieren. Medien, Kultur und Bildung wurden im Dienste der Propaganda eingesetzt, um ein positives Bild des Staates und seiner Politik zu vermitteln.Republikflucht [ begriffe ]
Offizielle Bezeichnung der DDR für die illegale Flucht von Bürgerinnen und Bürgern in den Westen, die als strafbare Handlung angesehen wurde. Fluchtversuche wurden hart verfolgt und bestraft, häufig mit Haftstrafen oder Repressionen gegen die Familien der Geflüchteten.Schwarzarbeit [ begriffe ]
Illegale und unbezahlte Arbeit, die in der DDR oft als Reaktion auf die Mangelwirtschaft und den wirtschaftlichen Druck praktiziert wurde. Trotz der strikten staatlichen Kontrolle blühte die Schwarzarbeit in vielen Bereichen auf, insbesondere im Bauwesen und bei Handwerksdiensten.SED-Diktatur [ begriffe ]
Das autoritäre Einparteiensystem der DDR, in dem die SED uneingeschränkte Kontrolle über Staat, Gesellschaft und Wirtschaft ausübte, begleitet von Repression und Überwachung.Volkskammer [ begriffe ]
Das Scheinparlament der DDR, dessen Abgeordnete formal gewählt wurden, jedoch ausschließlich nach den Vorgaben der SED agierten. Obwohl sie offiziell die gesetzgebende Gewalt innehatte, diente die Volkskammer in erster Linie der Bestätigung von Entscheidungen der SED-Führung und hatte keine echte politische Macht.Warschauer Pakt [ begriffe ]
1955 gegründetes Militärbündnis sozialistischer Staaten unter Führung der Sowjetunion, das als Gegenstück zur NATO diente und die militärische Zusammenarbeit und Kontrolle der osteuropäischen Staaten im Kalten Krieg sicherte.Wirtschaftspläne (Fünfjahrpläne) [ begriffe ]
Zentrale Planungsinstrumente der DDR, in denen Produktionsziele und wirtschaftliche Entwicklungen für jeweils fünf Jahre festgelegt wurden. Die Fünfjahrpläne sollten die sozialistische Wirtschaft steuern, waren jedoch oft von unrealistischen Vorgaben geprägt, was zu Ineffizienz, Mangelwirtschaft und wirtschaftlichen Problemen führte.Zensur [ begriffe ]
Strenge staatliche Kontrolle aller Medien und Veröffentlichungen in der DDR, um unerwünschte politische Inhalte zu unterdrücken. Die SED überwachte Literatur, Presse, Film und Kunst, um die sozialistische Ideologie durchzusetzen und kritische Stimmen zu unterdrücken. Regimekritische Werke wurden verboten oder nur zensiert veröffentlicht.Zwangsaussiedlungen [ begriffe ]
Von der DDR-Staatsführung verordnete Umsiedlungen von Menschen aus grenznahen Gebieten, um die innere Sicherheit zu gewährleisten und Fluchtversuche sowie regimekritische Aktivitäten zu unterbinden.